Pädagogik & Didaktik

Praxishilfe / Unterrichtsgestaltung

Die eigene Persönlichkeit entwickeln, Beziehung gestalten, (lern)psychologische Prozesse verstehen, neue Konzepte kennen – besser unterrichten!

Interview

Mit der Klasse auf Kurs

Frau Reinhardt, Frau Warbinek, was hat Sie dazu veranlasst, eine Segelkunde zu schreiben?
Wir sind ursprünglich Lehrerinnen der Realschule bzw. des Gymnasiums, und Unterricht ist für uns schon immer als gemeinsame Reise mit Schülerinnen und Schülern erlebbar gewesen. Heute arbeiten wir als Prozessbegleiterinnen an Schulen sowie als Fortbildnerinnen zum Thema Klassenführung. Hier lernen wir immer wieder die Nöte, aber auch die Gestaltungswünsche der Kolleginnen und Kollegen kennen und erleben die Entlastung, die durch unsere Segelkunde und deren praktische Umsetzung im Schulalltag entsteht.

Zum Thema Klassenführung gibt es bereits unzählige Bücher und Ratgeber. Inwiefern ist «Segel setzen» anders?
Der Wert unseres Buches liegt in der Verdichtung auf das Thema Führung und die Verknüpfung der Klassenführung mit der Unterstützung der Selbstregulation der Schülerinnen und Schüler. Klassenführung ist eben viel mehr als die Beschäftigung mit Regeln und Ritualen. In einer eigens für die Reise durch den Unterricht entworfenen Seekarte zeigen wir auf, welche Dimensionen, Aspekte und Bereiche von Unterricht durch eine systemisch verstandene Klassenführung berührt werden. Wir geben dann eine Vielzahl an praktischen Umsetzungsbeispielen und laden gleichzeitig an vielen Stellen zur Selbstregulation über die eigene Klassenführung ein, denn wirksam sind nicht die Reiserouten anderer, sondern vor allem die eigenen Reiseziele und Entscheidungen. Im letzten Teil des Buches schauen wir auf das Gesamtsystem einer lernenden Schule und stellen dar, wie Veränderungen im System Schule machbar werden können.

An wen richten Sie sich mit diesem Buch?
Es richtet sich an Lehrpersonen aller Stufen. Auch neu einsteigende Lehrpersonen können aus der Segelkunde einen persönlichen Gewinn ziehen, weil sie mit der Unterstützung der Selbstregulation der Schülerinnen und Schüler nicht mehr nur deren teils herausforderndem Verhalten ausgeliefert sind, sondern wieder die Gestaltungsmacht im Klassenzimmer übernehmen können, indem sie zielorientiert Handlungsstrategien einüben und gemeinsam darüber reflektieren. Schulleitungen erhalten im ersten Teil eine Vorstellung von der Themenbreite des Steuerungsinstrumentes Klassenführung. Im zweiten Teil erhalten sie Anregungen und Instrumente, mit denen sie die Klassenführung als Schulentwicklungsthema an ihrer Schule entwickeln können. Zahlreiche Beispiele zu einzelnen Schulentwicklungsprozessen im letzten Teil bieten dafür ebenfalls eine Hilfestellung. Aus- und Fortbildende können diese Segelkunde nutzen, um eine systemische Sichtweise der Klassenführung zu verdeutlichen. Personen aus der Schulleitung und -verwaltung können in diesem Buch viele Anregungen dazu finden, wie Schulen Herausforderungen in der Klassenführung begegnen können