Bildungsforum «Individuell lernen – anders unterrichten»

Hauptreferate

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Freitag, 20. September 2019, 16.00–17.00 Uhr

Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger

Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt

In rasendem Tempo verändert die Digitalisierung unsere Gesellschaft. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Art und Weise, wie wir kommunizieren und uns informieren, grundlegend gewandelt. Der Computer hat das Buch als Leitmedium abgelöst. Dieser Leitmedienwechsel stellt die Schule vor grosse Herausforderungen: Welche Kompetenzen benötigen Schülerinnen und Schüler in einer digitalisierten, zunehmend automatisierten Welt? Wie wichtig ist das Wissen im Kopf, wenn mobile Geräte stets Antworten parat haben? Und weshalb gehören heute Medien und Informatik zu den zentralen Themen der Allgemeinbildung? Beat Döbeli Honegger analysiert den Leitmedienwechsel und zeigt auf, wie ihm eine zeitgemässe Schule begegnen kann: weder mit pauschaler Ablehnung noch mit naiver Euphorie, sondern mit informiertem Pragmatismus.

 

Freitag, 20. September 2019, 17.15–18.15 Uhr

Christine Uhlmann

Immer online, global und vernetzt – Digital Natives lernen anders

Während die «Generation Internet» als «Digitale Natives» ins Schulleben startet, bleibt sie skeptisch, ob die Schule der richtige Ort ist, um zu lernen, wie man souverän durch das digitale Dickicht navigiert. Denn «digitales Lernen» ist für sie bei weitem nicht nur Lernen mit digitalen Medien, sondern vor allem Lernen über digitale Medien. Und schaut man genauer hin, sind es ganz unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen, aber auch Ängste und Sorgen, die junge Menschen formulieren, wenn man sie fragt, wie sie lernen und welche Voraussetzungen sie dafür brauchen. Christine Uhlmann stellt die Ergebnisse der Sinus-Jugendforschung zum digitalen Lernen vor und zeigt Konsequenzen für einen lebensweltsensiblen Schulalltag auf.


Samstag, 21. September 2019, 09.0010.00 Uhr

Dr. Anja C. Wagner

Digitale Kompetenz für das 21. Jahrhundert. Worauf muss Schule eigentlich vorbereiten?

Lehrerinnen und Lehrer lesen es in der Zeitung, weil sie es selbst kaum erfahren: Die Arbeitswelt verändert sich gerade radikal. Junge Menschen starten unstete Karrieren, die den alten Werten kaum mehr entsprechen. Klassische Arbeitsplätze fallen zunehmend weg. Neue entstehen, aber niemand weiss genau, wie und wo. Wie bildet man für solch ein Szenario die nächste Generation aus? In einem Curriculum, das oftmals dem letzten Jahrhundert mehr entspricht als dem neuen? Wo kann man als Lehrende/r individuelle Zeichen setzen? Was kann man tun? Wie verändert man das System Schule «bottom-up»? Wie startet man eine Schul-Revolution von unten? Darüber sollten wir reden. Jetzt.

 

Samstag, 21. September 2019, 13.3014.00 Uhr

Prof. Dr. Catherine Walter-Laager

(Klein)Kinder in der digitalen Welt

Der Gebrauch digitaler Medien ist in allen gesellschaftlichen Bereichen mittlerweile stark verbreitet und Menschen jeglichen Alters kommen häufig mit solchen in Berührung. Welche Nebenwirkungen mit der allgegenwärtigen Nutzung von Smartphone und Tablet einhergehen, wird diskutiert. Aus älteren Forschungen zu Bildschirmmedien ist bekannt, dass diese zu Überstimulierung wie auch Schlafstörungen führen können. Einige Aspekte von Tablets und Smartphones haben jedoch Potenzial, um das Lernen zu unterstützen. Vieles ist noch unerforscht, insbesondere in der frühen Kindheit. Im Vortrag werden aktuellste Erkenntnisse vorgestellt und aus pädagogischer Sicht diskutiert.

 

Samstag, 21. September 2019, 15.3016.30 Uhr

Dr. Philipp Hübl

Bullshit-Resistenz im Zeitalter der Digitalisierung

Im Zeitalter der digitalen Medien hat Bullshit zugenommen, also Unfug aller Art: Lügen, Fake News, Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaft und Geschwurbel. Bullshit-Resistenz ist eine Kardinaltugend des 21. Jahrhunderts, daher müssen Schülerinnen und Schüler nicht ganz schnell Programmieren, sondern zuerst kritisches Denken lernen, um sich in der digitalen Zukunft zurechtzufinden. So zeigen Studien, dass schon ein Kurs in Argumentationstheorie Jugendliche wappnet, nicht auf die Überredungstaktiken anderer hereinzufallen, die sie zum Rauchen und Trinken überreden wollen. Diese innere Vorbereitung funktioniert auch gegen Verschwörungstheorien. In einem Experiment hat man Probanden auf die faulen Argumente und Strategien von Klimagegnern vorbereitet, zum Beispiel, dass diese gerne anekdotische Einzelbeispiele nennen. Die Probanden liessen sie danach deutlich weniger verwirren als die unvorbereitete Vergleichsgruppe. Bezeichnenderweise heisst diese Methode Schutzimpfung («inoculation»). Im Idealfall ist «Bullshit-Resistenz», man könnte auch sagen «Philosophie», ein Unterrichtsfach in Schulen und Universitäten. Dort kann man sich mit den Grundwerkzeugen der Wissenschaft vertraut machen (Interpretation von Statistiken, logisches Schliessen, Quellenkunde, Datenbankrecherche) und trainieren, kognitive Irrtümer zu erkennen, Worthülsen zu entlarven und gründlich zu argumentieren. Solange Menschen einen hohen Bildungsstand und einen kritischen Denkstil haben, werden sie sich gegen Fake News und anderen Unfug wehren, weil sie wissen wollen, wie es in der Welt wirklich aussieht, anstatt nur die eigenen Vorurteile bestätigt zu bekommen.